
Nehmt denn hin, ihr schönen Seelen,
froh die Gaben schöner Kunst.
Wenn sich Lieb und Kraft vermählen,
lohnt dem Menschen Göttergunst.
Die Schlussstrophe von Ludwig van Beethovens Fantasie für Klavier, Chor und Orchester Op. 80 erinnert nicht zufällig an den letzten Satz "Ode an die Freude" seiner Neunten Sinfonie. Den Text zur Chorfantasie soll der Dichter Christoph Kuffner (1780 - 1846) geschrieben haben. Die Chorfantasie wurde am 22. Dezember 1808 im Theater an der Wien erstmals aufgeführt, zusammen mit der Fünften und Sechsten Sinfonie, dem Klavierkonzert Nr. 4 in G-dur, der Konzertarie "Ah perfido" und Auszügen aus der Messe in C-Dur. Beethoven selber sass am Klavier, und die Solostimme soll vom Komponisten in grosser Eile geschrieben worden sein. So improvisierte Beethoven in der Uraufführung die ersten 26 Solotakte in der Einleitung des Werkes und schrieb diese erst später auf. Anscheinend befasste sich Beethoven bereits vor der Niederschrift der Chorfantasie mit dem Gedanken, Schillers "Ode an die Freude" zu vertonen, und so wird die Chorfantasie nicht zu Unrecht als eine Vorstudie zum Schlusssatz der 9. Sinfonie angesehen.
