
Im Frankreich des 18. Jahrhunderts war Jean Gilles “Messe des morts“ eine der berühmtesten und meistaufgeführten Kompositionen. Der damalige Ruhm der “Messe des morts“und ihre erneute Wertschätzung in jüngerer Zeit sind in hohem Masse gerechtfertigt: Selten in Frankreichs Sakralmusik waren Theater und Kirche, Form und Aussage so harmonisch vereint.
Jean Gilles wird 1668 in Tarascon bei Avignon geboren. Obwohl seine Eltern in einfachen Verhältnissen leben, sind sie in der Lage, den Elfjährigen 1679 als Chorknaben an die Kathedrale Saint-Sauveur in Aix-en-Provence zu schicken.Hier wird Gilles von seinem Lehrer Guillaume Poitevin, dem bekanntesten Kirchenmusiker der Stadt, von Grund auf musikalisch ausgebildet. Bald fällt seine grosse Begabung auf, und bereits mit zwanzig Jahren wird er 1688 Organist an der Kathedrale. 1693 schliesslich löst er den nunmehr pensionierten Poitevin als Lehrer ab. Doch trotz einer Gehaltserhöhung und zahlreicher einträglicher Privilegien verlässt Jean Gilles Aix-en-Provence. Nach einem kurzem Zwischenspiel an der Kathedrale von Agde gelangt er nach Toulouse, wo er als Nachfolger des berühmten André Campra zum “Maître de Musique“ an der Kirche St. Etienne ernannt wird. 1705 stirbt Jean Gilles nach kurzer Krankheit; an der Trauerfeier wird seine “Messe des morts“ erstmals aufgeführt.
